Ab in die Berge

Nach einem überaus gemütlichen Morgen mit leckerem Frühstück sind wir gegen 11 langsam mal in die Berge aufgebrochen... Grobe Richtung Anogia. Auf dem Weg dahin hatte ich zwei Höhlen und anderen Kleinkram zum Auschecken auf der Karte...

Sonderlich weit sind wir nicht gekommen, denn schon an einer alten Wassermühle am Abzweiger nach Kamaraki gab's die ersten Fotos und die erste Portion reine und weiche Bergluft mit absoluter Stille und nebenbei noch superreifen Weintrauben von einer verwilderten Rebe. Das ist ja echt der Vorteil der Reisezeit im Herbst. Es ist alles reif...

Die markierten Höhlen waren nix, aber das ist das Spiel. Dafür war auf dem Weg dahin ein alter Toyota Pickup aus den 70ern auf einer trockenen Wiese endgeparkt. Das ist ja genau mein Motiv... Und dann noch unter blauem Himmel mit weißen Wolken 😍

 

Auf dem Weg weiter hoch nach Anogia sahen wir plötzlich gar nicht mal so hoch am Himmel bestimmt 30 Gänsegeier kreisen. So viele hatten wir noch nie auf einem Haufen gesehen. Also fluchs angehalten und mit Fernglas und Kamera draufgehalten. Unten in der Schlucht war eine Ziegenherde in hörbar heller Aufregung und nach einer Weile sahen wir dann am Hang gegenüber bestimmt weitere 30 Vögel sitzen, die sich über einen Ziegenkadaver hermachten. Eigentlich waren es nur 4-5, die sich um die Beute stritten, die anderen saßen drumherum und mussten warten. Ein tolles Erlebnis mit diesen majestätischen Gleitern, die allerdings am Boden gar nicht mehr so majestätisch aussehen 😁

In Anogia angekommen, fanden wir den Ort dann seltsam underwhelming, wie man so schön sagt. Kurzum, wir hatten mehr erwartet, aber es war früher Nachmittag und vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt. Wir recherchieren noch ein bisschen und fahren dann nochmal hin. Liegt eh fast immer am Weg in den kommenden Tagen.

 

Anschließend sind wir noch bei der Sfendoni Tropfsteinhöhle gewesen, haben uns aber entschieden, das auch mit frischeren Augen an einem anderen Tag zu machen.

Stattdessen sind wir zu einem anderen Schlenker Richtung Unterkunft aufgebrochen, der uns an Axos vorbei führte. Auch wieder rein zufällig, wie wir das so gut können, sind wir auf die dortige antike Stätte gestoßen und da mal hoch gestiefelt.

Auf dem Weg da hoch kamen wir am Friedhof des Ortes vorbei, auf dem wie üblich Marmorsarkophage dicht an dicht stehen, die alle mit kleinen Schreinen geschmückt sind, deren Inhalt aus Bildern und Erinnerungsstücken an die Verstorbenen lose mit Glasscheiben geschützt wird. Diese losen Glasscheiben klötern leise im Wind und dies ist ein weiteres magisches Geräusch Kretas, das uns schon bei unserem allerersten Besuch in seinen Bann gezogen hat.

 

Oben auf dem Hügel über dem Ort dann viele steinalte Steine teilweise mit Inschriften von 600 v. Chr. (!), sagenhafte Ausblicke und unsere bisher beste Schaf-/Ziegenerfahrung aller Zeiten.

Wir hatten die Herde schon lange gehört, bevor sie und wir die Kuppe erreichten. Also haben wir uns hingesetzt und kurz darauf sind direkt vor ca. 50 Tiere bløkend durch's Bild gelaufen, ohne uns zu bemerken. Doch als sie uns schließlich bemerkten, verstummten sie, aber statt die Flucht zu ergreifen, haben sie uns einfach nur anstarrt - und wir haben zurückgestarrt. Ein herrlich surrealer Moment... Kurz danach kam der Schäfer und hat seine Herde abgeholt. Zwei kurze, aber prägnante Rufe und zack - setzte sich die Herde in Bewegung.

Danach gab's noch ein bisschen Wetterkino mit einem kleinen Schauer und einem grandiosen Sonne-Wolken-Mix, der in den Bergen hing.

 

Zu Feierabend sind wir dann in Drosia in eine der örtlichen Tavernen eingekehrt und haben für kleines Geld fürstlich gespiesen.

Und damit neigt sich der erste Tag dem Ende zu... So gechillt aber dennoch erlebnisreich darf das weiter gehen.